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Katharina Völker-Lehmkuhl, Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin (Foto: privat)
Nachgefragt bei Katharina Völker-Lehmkuhl

„Die verheerenden Folgen des Klimawandels sind viel teurer als Klimaschutzmaßnahmen”

ESV-Redaktion/ConsultingBay
17.02.2021
Die ESV-Redaktion sprach mit WP, StB Katharina Völker-Lehmkuhl über das Thema unternehmerischer Klimaschutz, wie sich klimabezogene Sachverhalte in der Finanzberichterstattung niederschlagen und was wir aus der Coronakrise für den Klimaschutz lernen können.
Frau Völker-Lehmkuhl, das Bundesklimaschutzgesetz ist am 18. Dezember 2019 in Kraft getreten. Welche Erfahrungen haben Sie, auch in Ihrer Tätigkeit als Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin, damit im vergangenen Jahr gemacht?

Katharina Völker-Lehmkuhl: Das Bundesklimaschutzgesetz ist auf jeden Fall ein wichtiger Baustein für mehr Klimaschutz und hat neben der Fridays-for-Future-Bewegung dazu beigetragen, das Bewusstsein für den Klimawandel und die Notwendigkeit für mehr Klimaschutz deutlich zu stärken. Abgeschwächt wurden diese Effekte im Jahr 2020 leider durch die Corona-Pandemie. Ich bin mir aber sicher, ob sie wieder in den Vordergrund rücken werden, sobald die Pandemie eingedämmt ist. Wirklich still war es im Klimaschutz ja auch in 2020 und jetzt in 2021 nie.

„Die meisten Bilanzposten werden betroffen sein”

Als Steuerberaterin und Wirtschaftsprüferin beschäftigt uns der Klimaschutz bei der Nichtfinanziellen Erklärung und den Lageberichten, in denen sich auch bei Unternehmen, die keine Nichtfinanzielle Erklärung abgeben müssen, immer mehr Auswirkungen des Klimaschutzes zeigen. Das IASB hat kürzlich Lehrmaterialien zur Berücksichtigung klimabezogener Sachverhalte und Risiken in der Finanzberichterstattung herausgegeben, in den systematisch die IASB/IFRS-Standards hinsichtlich klimabezogener Sachverhalte untersucht wurden. Es zeigt sich, dass die meisten Bilanzposten wie Anlagevermögen, Vorräte, Rückstellung und Finanzinstrumente, aber auch latente Steuern vom Klimawandel betroffen sein können und gerade Bewertungsfragen stark durch den Klimawandel beeinflusst werden. Denken Sie doch bitte mal an die Automobilindustrie, die über kurz oder lang auf Elektromobilität umsteigen wird. Das betrifft nicht nur Vorräte und Fertigungsanlagen in den Automobilwerken, sondern auch die Automobilzuliefererindustrie, die vor gravierenden Umstrukturierungen steht. Die Überlegungen des IASB lassen sich natürlich auch leicht modifiziert auf die HGB-Abschlüsse übertragen.

Katharina Völker-Lehmkuhl

Katharina Völker-Lehmkuhl ist Wirtschaftsprüferin, Steuerberaterin sowie Inhaberin der Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungskanzlei Völker-Lehmkuhl in Heiligenhaus. Zu ihren Tätigkeitsschwerpunkten zählen neben der Teilnahme an Abschlussprüfungen internationaler Konzerne (u.a. DAX 30) für Big-Four-Wirtschaftsprüfungsgesellschaften die steuerliche Betreuung von KMU und Erstellung von Jahresabschlüssen gem. HGB, EStG und IFRS sowie die Nachhaltigkeitsberatung.
 
Mit welchen Fragen kamen Ihre Klienten hierbei auf Sie zu?

Katharina Völker-Lehmkuhl: Die Fragen waren vielfältig. Es geht um die Nichtfinanzielle Erklärung, Lageberichtspassagen, Risikomanagement, Emissionsrechte mit Bilanzierungs- und Besteuerungsfragen, aber auch natürlich um Möglichkeiten zum unternehmerischen Klimaschutz, sei es die Berechnung von Treibhausgasemissionen oder praktische Maßnahmen zum Klimaschutz. Das Interesse des Gegenübers weckt man besonders, wenn man einfach umzusetzende Maßnahmen nennt, wie ich sie auch in meinem Praxisleitfaden zum unternehmerischer Klimaschutz beschrieben habe.

Welches sind Ihrer Meinung nach die Schwächen des vorhin erwähnten Bundesklimaschutzgesetzes? An welchen Stellen sollte nachgelegt werden?

Katharina Völker-Lehmkuhl: Ich hätte mir etwas ambitioniertere Ziele gewünscht. Seit langem warnt die Wissenschaft, dass uns der Klimawandel dann am teuersten wird, wenn wir zu zögerlich handeln. Die verheerenden Folgen des Klimawandels sind viel teurer als Klimaschutzmaßnahmen.

„Viele kluge Köpfe mit einer Vielzahl von Ideen für intelligenten Klimaschutz”

Wir verfügen in Deutschland über viele kluge, gut ausgebildete Köpfe, die bestimmt eine Vielzahl von guten Ideen für intelligenten Klimaschutz entwickeln könnten, wenn sie entsprechend gefordert würden. Hierfür wären ambitioniertere Klimaschutzziele bestimmt förderlich. Es geht auf keinen Fall um einen Rückschritt in vorindustrielle Zeiten, sondern um einen gewaltigen Schritt nach vorne, in innovative saubere Technologien. Klare Ziele der Politik dienen als Anreiz, sie zu erfüllen, zu niedrige Anforderungen bergen die Gefahr, dass zu wenig zur Zielerreichung getan wird.

Nachgefragt bei Katharina Völker-Lehmkuhl 14.10.2019
Völker-Lehmkuhl: „Hier ist kein missionarischer Eifer gefragt, sondern kreative Ideen”
Kaum ein Thema bewegt die Gemüter wie der Klimawandel, mögliche Maßnahmen zum Schutz des Klimas sowie zur Eindämmung von CO2-Emissionen. Wir sprachen im Oktober 2019 darüber mit WP und StB Katharina Völker-Lehmkuhl, Autorin des Buches „Bilanzierung und Besteuerung des CO2-Emissionshandels”. mehr …

Zum Ende der deutschen Ratspräsidentschaft hat der EU-Klimarat im Dezember 2020 das rechtsverbindliche Ziel der Treibhausgasneutralität bis 2050 nun erstmals gesetzlich festgeschrieben. Welche Folgen hat das für den deutschen Klimaschutz?


Katharina Völker-Lehmkuhl: Das ist genau so ein Anreiz, wie ich gerade genannt habe. Mit diesem Ziel wissen die Unternehmen und ihre Forschungsabteilungen, wo sie in 29 Jahren stehen müssen. Es ist klar, dass man sich nicht 28 Jahre ausruhen kann, sondern jetzt mit der Entwicklung der Zukunftstechnologien ernsthaft starten muss, damit man vor 2050 am gesteckten Ziel ist.

Lesen Sie hier die Fortsetzung des Interviews auf ConsultingBay.de.

Praxisleitfaden unternehmerischer Klimaschutz

Autorin: Dipl.-Kffr. Katharina Völker-Lehmkuhl

Klimaschutz als eine der größten Aufgaben unserer Zeit fordert Unternehmen beispiellos heraus. Manche Betriebe sind schon gesetzlich zu emissionsmindernden Maßnahmen verpflichtet, viele möchten freiwillig mehr tun, um interne Strukturen, Prozesse und Entscheidungen klimaverträglich auszurichten.

Wie Sie Emissionsquellen in allen Unternehmensbereichen auf den Prüfstand stellen und welche Reduktionsmaßnahmen wirtschaftlich überzeugen, zeigt Ihnen Katharina Völker-Lehmkuhl auf Basis langjähriger Praxiserfahrung.

  • Was sind wesentliche Emissionstreiber in Ihrem Unternehmen, wie berechnen und analysieren Sie z.B. den CO2-Fußabdruck und -Bilanzen?
  • Welche Reduktionsmöglichkeiten gibt es – ob z.B. durch Energieeinsparung oder indirekt z.B. Konsumverzicht, Kompensationsprojekte?
  • Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter, wie binden Sie Geschäftspartner, Dienstleister oder sogar Kunden ein?
  • Wie steuern und überwachen Sie Ihre Klimaschutzaktivitäten – und vermeiden Greenwashing?

In vier Schritten zu einer effektiven Klimaschutzstrategie und Win-Win-Situationen für Klima und Unternehmen, die statt Verboten auf positive Motivation setzen.


(ESV, uw)

Programmbereich: Management und Wirtschaft