Sie haben folgende Möglichkeiten:
  1. zum Login.
  2. zur Navigation.
  3. zum Inhalt der Seite.

Wer nachhaltig investieren will, kann sich künftig besser an Standards orientieren. (Foto: vegefox.com/stock.adobe.com)
Regulierung

Festes Regelwerk für Nachhaltigkeit

ESV-Redaktion Management und Wirtschaft
17.02.2020
Der Finanzsektor setzt immer stärker auf Nachhaltigkeit – ein Thema, das jetzt auch bei Regulierern ganz oben auf der Agenda steht.
So hat die Bafin zuletzt ein Merkblatt zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken veröffentlicht. Die Aufsichtsbehörde sieht das 39-seitige Dokument als Kompendium unverbindlicher Verfahrensweisen. Es soll verdeutlichen, wie sich gesetzliche Anforderungen an eine ordnungsgemäße Geschäftsorganisation und ein angemessenes Risikomanagementsystem umsetzen lassen. Das Merkblatt bestimmt Nachhaltigkeit im Sinne von ESG (Environmental, Social and Governance).

Klimaschutz wichtiges, aber nicht einziges Thema 

Schäden aus den Folgen des Klimawandels „könnten sich bei Fortschreibung der gegenwärtigen Entwicklung nach jüngeren Modellrechnungen auf weltweit bis zu 550 Billionen US-Dollar summieren“, stellt die Bafin fest. Entsprechende Risiken sollten die Unternehmen deshalb stärker in den Fokus nehmen. Nachhaltigkeit solle sich aber nicht in Klimafragen erschöpfen, denn auch andere ökologische und soziale Trends „können gravierende Finanzrisiken für beaufsichtigte Unternehmen darstellen“, heißt es im Merkblatt. Entsprechend vielfältig sind die Maßnahmen, die Akteure ergreifen können, darunter
  • Klima schützen,
  • biologische Vielfalt bewahren,
  • anerkannte arbeitsrechtliche Standards einhalten,
  • Beschäftigte angemessen entlohnen,
  • Steuerehrlichkeit leben,
  • Maßnahmen zur Verhinderung von Korruption ergreifen,
  • Whistleblowing ermöglichen und
  • Datenschutz gewährleisten. 

10-Punkte-Plan 

Es sollte eine ganzheitliche Prüfung der Integration von Nachhaltigkeitsrisiken in bestehende interne Organisationsrichtlinien erfolgen, rät die Bafin. Die Verantwortlichkeiten sollten in den Organisationsrichtlinien festgelegt werden. In regelmäßigen Abständen sollten die Unternehmen ihre Methoden und Verfahren zur Identifizierung, Beurteilung, Steuerung, Überwachung und Berichterstattung der Nachhaltigkeitsrisiken überprüfen. Ebenso sei festzustellen, ob die bestehenden unternehmensindividuellen Stresstests Nachhaltigkeitsrisiken hinreichend berücksichtigen.

Um die Nachhaltigkeit von Finanzanlagen festzustellen und daraus ggf. zusätzliche Informationen über Nachhaltigkeitsrisiken abzuleiten, bieten sich spezielle ESG-Ratings an. Insgesamt umfasst das Merkblatt zehn Punkte. Das vollständige Dokument finden Sie hier.

Grüne Liste für nachhaltige Investitionen

Europäisches Parlament und EU-Kommission hatten sich im Dezember 2019 über den Aufbau einer Grünen Liste für nachhaltige Investitionen geeinigt. Investoren sollen das Klassifizierungssystem bei allen Projekten anwenden können, die „erhebliche positive Auswirkungen auf das Klima und die Umwelt haben“, teilt die EU-Kommission mit. Ziel ist es, private und öffentliche Investitionen für den Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft zu erleichtern.

Kurz zuvor hatte die Europäische Bankenaufsichtsbehörde EBA einen Aktionsplan zur nachhaltigen Finanzierung vorgelegt. Das Dokument finden Sie hier.

Wie sich Maßnahmen für nachhaltige Projekte methodisch erfassen und analysieren lassen, beleuchtet das Buch „Bewertung unternehmerischer Nachhaltigkeit“.

Bewertung unternehmerischer Nachhaltigkeit

Herausgegeben von: Prof. Dr. Anja Grothe

Nachhaltig will heute fast jede Organisation sein. Wie sich eine aussagekräftige Bestandsaufnahme über die Nachhaltigkeitsleistung und die Qualität der eingesetzten Managementinstrumente durchführen lässt, erfahren Sie in diesem Buch. Für unterschiedliche Zielstellungen und aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten die Experten um Anja Grothe

  • Ansätze, Maßstäbe und Indikatoren für nachhaltiges Wirtschaftshandeln, ob aus interner Perspektive oder gegenüber externen Stakeholdern,
  • (Selbst-)Bewertungsmodelle, die sich für unterschiedliche Funktionen und Betrachtungstiefen, Prozesse oder auch Produkte eignen und sich in der Praxis bewährt haben,
  • Bewertungsmethoden und verfügbare Online-Tools.

Wer Nachhaltigkeitsmaßnahmen methodisch belastbar erfassen, beurteilen und verbessern möchte, findet hier den richtigen Werkzeugkasten – auch für externe Darstellungen, z.B. einer Entsprechenserklärung zum Deutschen Nachhaltigkeitskodex.


(ESV/fab)

Programmbereich: Management und Wirtschaft