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In Präsenz und im Stream: Buchpräsentation im Leibniz-Saal der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. (Fotos: Angela Kausche/ESV)
ESV unterwegs: Vorstellung des Dritten Berichts zur Lage der deutschen Sprache

Für mehr Bildungsgerechtigkeit: Sprachforschung und Sprachförderung stärken!

ESV-Redaktion Philologie
30.09.2021
Früher war alles besser? Haben wir einen allgemeinen Verfall der Sprache zu beklagen? Der Dritte Bericht zur Lage der deutschen Sprache mit dem Titel: „Sprache in den Schulen – Eine Sprache im Werden“, herausgegeben von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften räumt mit diesem Vorurteil auf, hinterfragt aber auch den Ist-Zustand und mahnt Verbesserungen an. Der Sprachbericht wurde am 29. September 2021 in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften öffentlich vorgestellt.
Die Veranstaltung wurde von Manfred Götzke, Deutschlandfunk moderiert. Neben den beiden Projektleiter:innen Professorin Dr. Ursula Bredel und Professor Dr. Helmuth Feilke, die den Ausgangspunkt und die Zielsetzung des Sprachberichts vorstellten, waren mit Professorin Dr. Vivien Heller und Professor Dr. Dirk Betzel auch zwei Beiträger:innen des Bandes auf dem Podium, die ihre Ergebnisse erläuterten. Die Diskussion kann hier auf Youtube nachgeschaut werden.

Der Bericht fragt, wie es um die Sprache in den Schulen steht und zeigt beispielsweise auf, was den Erwerb von Bildungssprache maßgeblich beeinflusst und wie wichtig u. a. familiäre Kommunikationsmuster sind. Fazit: Das gemeinsame Essen in der Familie, das von Gesprächen begleitet wird, ist wichtig, um wesentliche Kompetenzen für die Schule wie das Berichten, Argumentieren und Diskutieren zu verfestigen.
Auch der Gebrauch der geschriebenen Sprache wurde untersucht. Es wird deutlich, dass hier in den letzten 40 Jahren ein Wandel stattgefunden hat: Zwar werden mehr Rechtschreibfehler produziert, gleichzeitig schreiben Kinder und Jugendliche auch längere Texte, die freier (und damit manchmal auch weniger kontrolliert) aus der Feder kommen.
Schließlich widmet sich der Bericht weiteren Themen, die auch über die Schule hinausweisen. So wird der Frage nachgegangen, ob die Digitalisierung Einfluss auf die Sprache in den Schulen hat, ob Schülerinnen und Schüler beispielsweise zwischen der Sprache, die sie in Messenger-Nachrichten nutzen und der Sprache, die sie in einer Klausur verwenden, unterscheiden können. Dieses Switching scheint den Digital Natives leicht zu fallen!

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Das Presseecho (siehe beispielsweise in der ZEIT, im Tagesspiegel oder in der FAZ, zum Nachhören auf radioeins oder auf inforadio) zeigt, dass der Sprachbericht der Akademien einen viele Menschen bewegenden Punkt trifft und wie wichtig es ist, wissenschaftliche Grundlagen zu schaffen, mit deren Hilfe dann auch die Bildungspolitik Schlüsse und Konsequenzen ziehen kann. Eine zentrale Erkenntnis ist: Die didaktische Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern kann und muss verbessert werden, um die ungleichen Ausgangssituationen der Schülerinnen und Schüler aufzufangen. Hierfür ist weitere Forschung in den Gebieten der Sprachdidaktik, Sprachkompetenz, Orthographiedidaktik und dem Schriftspracherwerb notwendig.

Falls Sie den Bericht selber nachlesen möchten, können Sie ihn hier gedruckt erwerben oder ihn kostenlos als Open-Access-Dokument herunterladen.
Die Sprache in den Schulen – Eine Sprache im Werden
Dritter Bericht zur Lage der deutschen Sprache

Herausgegeben von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften
Projektleitung: Prof. Dr. Ursula Bredel und Prof. Dr. Helmuth Feilke

Mit Beiträgen von Michael Beißwenger, Kristian Berg, Dirk Betzel, Ursula Bredel, Helmuth Feilke, Vivien Heller, Katrin Kleinschmidt-Schinke, Miriam Langlotz, Beate Lütke, Moti Mathiebe, Miriam Morek und Jonas Romstadt.

Wie ist es um die deutsche Sprache in den Schulen bestellt? Bisherige wissenschaftlich fundierte Antworten, etwa von Großstudien wie PISA oder DESI, zielen auf repräsentative, eng umschriebene Zustandsbeschreibungen. Sie erfassen nur wenig von der Dynamik der Veränderung und der Arbeit an Sprache, die ja gerade das Aufgabenfeld der Schule ist.
Der hier vorgelegte Bericht der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften sieht die Schule als gesellschaftliches Sprachlabor. Er entwirft das in vieler Hinsicht überraschende Bild einer „Sprache im Werden“. Dabei liegt der Schwerpunkt auf den durch die Schriftlichkeit geprägten, sprachproduktiven Leistungen der Schülerinnen und Schüler. Insgesamt zehn Teilkapitel behandeln ein breites Spektrum von Fragen: Wie verhalten sich familiäre Kommunikationsmuster zu den schulischen? Hat die Lehrersprache einen Einfluss auf die Schülersprache? Wie stellen Schülerinnen und Schüler Zusammenhänge in ihren Texten her? Was bestimmt den Ausbau des Wortschatzes und der Grammatik? Wie sieht die historische und individuelle Entwicklung der Rechtschreibung inklusive der Zeichensetzung und der Handschrift aus? Wie verändert der digitale Wandel das Sprachlernen und wie steht die Spracherfahrung in vielfältigen Familiensprachen zum Ziel des Erwerbs der Bildungssprache?
Der Bericht wendet sich an die bildungsinteressierte Leserschaft, an Eltern, Lehrerinnen und Lehrer und nicht zuletzt an die Bildungspolitik.

Programmbereich: Germanistik und Komparatistik