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Viele tausend Jahre alt und doch aktuell: die Handschrift (Foto: vladwel – stock.adobe.com)
Gedenktag am 23. Januar

Kennen Sie schon den Tag der Handschrift?

ESV-Redaktion Philologie
23.01.2023
Am 23. Januar feiern wir den Tag der Handschrift: zu diesem Anlass blicken wir auf Vergangenheit, Gegenwart und die ungewisse Zukunft der Handschrift. Diese Meldung auf der Tastatur zu verfassen entbehrt dabei nicht einer gewissen Ironie.

„Please put your John Hancock here!“ ist eine gängige Phrase in den Vereinigten Staaten, um eine Unterschrift zu erbitten. John Hancock, einer der amerikanischen Gründerväter, ist als erster Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung bekannt, unter die er seine 13 Zentimeter große Unterschrift setzte. Diese war so imposant, dass sein Name zum Synonym der Unterschrift wurde. So lag es im Jahr 1977 für die Writing Instruments Manufacturing Association wohl auf der Hand, an welchem Datum der Tag der Handschrift sein würde: Hancocks Geburtstag, der 23. Januar 1737. Die Handschrift ist einer der ältesten Begleiter des Menschen, erlebt jedoch im Zeitalter der Digitalisierung zunehmend Umbrüche. Im Erich Schmidt Verlag sind zu diesem Thema bereits mehrere Bände erschienen, von denen wir Ihnen drei gerne vorstellen möchten.

Entstehung einer Schrift – von Altertum bis Neuzeit
Unser eigenes lateinisches Alphabet entstand bekanntermaßen in der römischen Antike, „ein Abkömmling der westgriechischen Schrift“, so Bernhard Bischoff, der in seiner Paläographie des römischen Altertums und des abendländischen Mittelalters Leserinnen und Lesern einen Einblick in die Ursprünge unserer Handschrift gewährt. Der Band befasst sich zum einen mit den historischen Schreibwerkzeugen, zum anderen mit der Entwicklung des lateinischen Skripts von der Zeit der Römer bis zum Ende des Mittelalters. Begeben Sie sich auf die historischen Spuren der Graphologie, ausgehend von Wachstafeln und Papyrus hin zu Tinte und Papier, den Wegbereitern des Buchdrucks.

Der Schrifterwerb heute – ein sozial verstrickter Prozess
Mit der Verbreitung des Druckwesens verbindet Bischoff das Ende des handschriftlichen Zeitalters, doch die Handschrift ist auch heute noch ein wichtiger Bestandteil unserer elementaren Bildung. Im modernen Zeitalter wird die Fähigkeit zu schreiben prinzipiell vorausgesetzt; der Schrifterwerb ist daher eine zentrale Komponente des Grundschulcurriculums. Wolfgang Steinig erläutert die verschiedenen soziokulturellen Einflüsse, die dabei auf diesen einwirken, in seinem Band Grundschulkulturen. Pädagogik – Didaktik – Politik. Darin wertet er verschiedene Lernkulturen und ihre Wirkungen auf den Unterricht und insbesondere den Schriftspracherwerb landesweit aus. Steinig legt hier überraschende pädagogische, didaktische und sogar politische Einsichten dar, die ein neues Licht sowohl auf das deutsche Bildungssystem als auch auf gegenwärtige Debatten über die Handschrift werfen.

Nachgefragt bei Prof. Dr. Norbert Kruse, Prof. Dr. Anke Reichardt, Prof. Dr. Susanne Riegler 28.07.2021
„Schrifterwerb braucht das Handschreiben ebenso wie das Tastaturschreiben“
Wie lernen Kinder heutzutage Schreiben? Welchen Einfluss haben die Digitalisierung und die Corona-Pandemie darauf? Und was ist in diesem Zusammenhang mit „Materialität“ gemeint? Erfahren Sie mehr im Interview mit Prof. Dr. Norbert Kruse, Prof. Dr. Anke Reichardt und Prof. Dr. Susanne Riegler. mehr …


Die Handschrift lehren – neue theoretische Ansätze

Solcherlei Debatten, vermehrt auch in Bezug auf die Unterrichtsmodelle, mit denen Kindern das Schreiben beigebracht wird, sind oft Ausgangspunkt für die Entwicklung neuer didaktischer Theorieansätze, wie zum Beispiel jene im von Norbert Kruse, Anke Reichardt und Susanne Riegler herausgegebenen Band Materialität des Schrifterwerbs. Herausforderungen für die Forschung zum Lesen- und Schreibenlernen. Dieser führt eine Reihe von Beiträgen zusammen, in deren Mittelpunkt die „Materialität“ des Schrifterwerbs steht, welche Norbert Kruse als „erkenntnisbezogene Dimension wissenschaftlichen Arbeitens“ definiert, in dessen Zentrum die Untersuchung literaler Praktiken im Unterricht stehen. Bisherige linguistisch-grammatische und psychologisch-anthropologische Ausrichtungen werden so um eine praxistheoretische ergänzt, durch die sich der Schriftspracherwerbsdidaktik neue, hochrelevante Fragestellungen eröffnen.

Wenn Sie noch mehr über die Handschrift lernen möchten, ob zur Geschichte oder zu aktuellen Entwicklungen, dann werfen Sie gerne einen Blick in die Bücher des Erich Schmidt Verlags!

Paläographie des römischen Altertums und des abendländischen Mittelalters. Mit einer Auswahlbibliographie 1986–2008 von Walter Koch
Von Bernhard Bischoff


Das Standardwerk von Bernhard Bischoff zur Paläographie erscheint nunmehr in 4. Auflage. Gegenüber der vorigen Auflage ist es um eine Auswahlbibliographie für die Jahre 1986 bis 2008 sowie um einen Abbildungsteil erweitert, durch den die Schriftbeispiele veranschaulicht werden. Das Buch führt den Leser in das Verständnis von Schrift und Schriftlichkeit und in die Geschichte der Schriftentwicklung in der römischen Antike und im Mittelalter ein. Darüber hinaus beschreibt es den Stellenwert der Handschriften in der Kulturgeschichte und verfolgt somit eine hochaktuelle Fragestellung. Das Werk ist zugleich Hand- und Lehrbuch, durch die unverwechselbare Sicht eines genialen Autors auch ein Stück Wissenschaftsgeschichte der Paläographie.

 

Grundschulkulturen. Pädagogik – Didaktik – Politik
Von Wolfgang Steinig

Was prägt die Lernkulturen an unseren Grundschulen?
Wie das Schreiben erlernt wird, welche Rolle dabei die Rechtschreibung spielt, welche Handschriften Kinder erlernen und wie sie ihre Lehrkräfte anreden: all dies basiert auf unterschiedlichen Lernkulturen. Die einen setzen eher auf Leistung und Lehrerdominanz, die anderen stellen eher die Bedürfnisse der Kinder in den Mittelpunkt. In den einzelnen Bundesländern, von Schule zu Schule, von Klasse zu Klasse bestehen hier große Unterschiede. Doch welcher Weg ist der bessere?
Wolfgang Steinig überrascht mit unerwarteten Entdeckungen und brisanten Ergebnissen, die einen neuen Blick auf den Unterricht an unseren Grundschulen ermöglichen.

 

 

Materialität des Schrifterwerbs. Herausforderungen für die Forschung zum Lesen- und Schreibenlernen
Herausgegeben von: Norbert Kruse, Anke Reichardt, Susanne Riegler

Die Materialität des Schrifterwerbs im Elementarbereich und in der Grundschule ist Gegenstand der Beiträge dieses Sammelbandes. Im Mittelpunkt stehen Beobachtungen zu literalen Praktiken und didaktischen Arrangements in alltäglichen Lernsituationen und die damit verbundene Dynamik, Sozialität und Körperlichkeit. Indem die vorfindlichen Praktiken des Schrifterwerbs in kulturwissenschaftlich-praxeologischer Ausrichtung in den Blick genommen und auf ihre Sinnhaftigkeit für die Erweiterung literalen Handlungsvermögens untersucht werden, tragen die Autorinnen und Autoren zu einer Erweiterung der bisherigen Forschungsperspektiven auf das Lesen- und Schreibenlernen am Schulanfang bei.
Im Mittelpunkt stehen das Beschreiben und Verstehen des literalen und sprachlichen Unterrichts am Schulanfang, seine praktischen Ausformungen und die Widersprüche, die dabei sichtbar werden. Der Anspruch dieses Sammelbandes ist damit zugleich bescheiden und herausfordernd: bescheiden, insofern die Probleme der gegenwärtigen Forschung zum Schriftspracherwerb benannt und beschrieben werden, herausfordernd, weil es dazu adäquater methodologischer Perspektiven bedarf, denen es gelingt, den Schriftspracherwerb als institutionsgebundenes Phänomen zu fassen.
Kurz- und mittelfristig geht es um ein deutschdidaktisches Forschungsprogramm, das herausarbeiten kann, wie die Praktiken des Unterrichts zum Schriftspracherwerb an der Bildungsbenachteiligung von Kindern in Deutschland beteiligt sind und den Zusammenhang von Schulerfolg und sozialer Herkunft reproduzieren.

Programmbereich: Germanistik und Komparatistik