Sie haben folgende Möglichkeiten:
  1. zum Login.
  2. zur Navigation.
  3. zum Inhalt der Seite.

add_shopping_cart 0
Dr. Michael Geyer und Carsten Magiera (Fotos: Magiera/Geyer)
Nachgefragt bei: Carsten Magiera und Dr. Michael Geyer, Sicherheitsbeauftragte

Magiera: „Die psychischen Belastungen in einer Krise steigen auch auf den Baustellen weiter an“

ESV-Redaktion Arbeitsschutz
22.04.2020
Der Sicherheitsbeauftrage in der Corona-Krise - wie das gehen kann und welche Maßnahmen und Anwendungen sich für einen möglichst reibungslosen Ablauf eignen, erläutern Carsten Magiera und Dr. Michael Geyer im Bericht mit der ESV-Redaktion Arbeitsschutz.

Sie sind Sicherheitsbeauftragter und derzeit auch im Homeoffice eingesetzt. Wie sehen Ihre Aufgaben aus und wie kommen Sie ihnen derzeit nach?

C.M. (Carsten Magiera): Die Aufgaben bleiben die gleichen, jedoch verlagern sich diese mehr auf andere Betreuungsmedien: Beratung und Betreuung der Kollegen per E-Mail, Telefon und Microsoft Teams usw. Unsere inländischen und ausländischen Baustellen laufen teilweise zum Glück noch weiter und die Kollegen haben weiterhin Bedarf an Unterstützung bei Umsetzungsmaßnahmen oder Unklarheiten usw.
M.G. (Michael Geyer): Auch in Zeiten von „Corona“ bleibt es nicht aus, persönlich vor Ort zu sein, um auch die Überprüfung und Ausgabe von PSA an die Kollegen, die auch weiterhin zu Baustellen fahren, sicherzustellen. Die Koordination und Absprachen mit C.M. über die gemeinsamen Themen, z.B. wie Gefährdungsbeurteilung „Corona im Außendienst“, früher im persönlichen Meeting, werden jetzt per Telefon und E-Mail durchgeführt.

Welche Maßnahmen sind in Ihrem Unternehmen ergriffen worden? Wie geben Sie als Sicherheitsbeauftragter diese weiter? Welche Kommunikationswege haben sich bei Ihnen etabliert?

C.M. und M.G.: Zentrale einheitliche Maßnahmen und Vorgaben auf Basis der jeweiligen aktuellen Erkenntnisse und Maßnahmen der Regierung, Behörden und Intuitionen mit der Möglichkeit, standortspezifische positive Lösungen bzw. Maßnahmen ergänzend anzuwenden. Dies betrifft gesundheitliche, wirtschaftliche und soziale Maßnahmen. Kommunikationswege für Online-Meetings via Anwendungen wie Microsoft Teams werden Standard. Auch nutzen wir verstärkt Apps für das Mobiltelefon und kommunizieren mehr über E-Mail. Das Telefon ist sehr wichtig, das persönliche Gespräch gewinnt wieder mehr an Bedeutung und Inhalt.

Die Weitergabe erfolgt in der Regel per E-Mail. Vorgaben, Regeln, Anweisungen von zentraler Stelle werden schriftlich per Mail mitgeteilt und diese werden mit ein paar erklärenden Details von uns auch weitergeleitet. Bei Rückfragen stehen wir immer per Telefon zur Verfügung.

Wie erleben Sie die Situation, Berufs- und Privatleben unter einem Dach zu haben? Wie schaffen Sie eine Abgrenzung? Was funktioniert gut, was weniger?

C.M.: Am Anfang musste ich mich erst etwas reinfinden. Ich habe jedoch einen Artikel zum Thema Homeoffice gefunden, der mir weiterhalf: „Zehn Tipps, wie Sie im Homeoffice effizienter arbeiten.“ Die dortigen Hinweise waren hilfreich. Ich finde es ist sehr wichtig auch hier, beide Bereiche so gut es geht zu trennen. Sitze ich im Büro am Schreibtisch zuhause, ist es mein Job, den ich da gerade erledige. Auch wenn ich mitbekomme, wie meine Frau mit unserer Tochter im Kinderzimmer spielt und ich gerne mitmachen oder zugucken würde.

Es gibt immer Situationen, die eine Anpassungen und Erklärungen benötigen, wie verhalte ich mich, wenn ich aus dem Büro rauskommen z.B. zu einer kurzen Pause oder für die üblichen Bedürfnisse. Die Familie sieht „er ist wieder da“, aber im Prinzip bin ich nicht wirklich verfügbar. Für mich ist es eine Arbeitsunterbrechung und keine Freizeit. Dies ist je nach Situation für Kinder schwer zu verstehen und dann laufen auch schonmal Tränen, weil Papa jetzt nicht für seine Maus Zeit hat oder sich ihr widmen kann. Aus ihrer Sicht bin ich doch aus dem Büro raus und soll jetzt mitspielen oder sie möchte mit ins Büro und dort mit mir spielen.

M.G.: Durch unsere Aufteilung habe ich nur begrenzt persönlich mit der Thematik Homeoffice zu tun und übernehme den Part, der noch im Büro tätig ist. Zusätzlich habe ich ein eigenes Büro zuhause, welches ich jetzt natürlich auch für das Homeoffice einsetzen kann. Wichtig war, zuhause klar zu machen, dass wenn die Tür zu ist, ich nicht gestört werden möchte, weil z.B. wichtige Telefonate oder Videokonferenzen stattfinden.

Sie haben viele Kollegen im Außendienst, die sich projektbezogen im Ausland aufhalten – z.B. im arabischen Raum. Wie ist da gerade der Stand?

C.M. und M.G.: Die Baustellen sind sehr eigenständig aufgestellt und arbeiten ihre Zeitpläne so gut es möglich ist weiter ab. Ausreisen sind oft nicht mehr möglich und Routinerückflüge fallen aus, das ist für die Kollegen eine Belastung. Ebenso das ganze Thema mit der Isolation beim Auftreten von möglichen Symptomen. Wann ist es Corona und wann nur die typische „Erkältung“? Ein Baustellencamp mit den jeweiligen Unterkünften ist z.B. nicht vergleichbar mit der Isolation in der eigenen Wohnung in Deutschland. Die psychischen Belastungen in einer Krise steigen auch auf den Baustellen weiter an. (Siehe unser Artikel in BePr 1/2020 - Psychische Belastungen auf Baustellen). Es ist unter normalen Umständen schon eine Herausforderung und in so einer Krise um ein Vielfaches mehr. Die Rückmeldungen zeigen aber auch Positives, die Baustellenmannschaften machen gemeinsam das Beste aus der Situation und halten zusammen.

Zum Schluss: Haben Sie den ultimativen Tipp zur Kinderbeschäftigung im Homeoffice?

C.M.: Den einen perfekten Tipp habe ich nicht. Jedes Kind benötigt aus meiner Sicht einen gewissen Input über den Tag. So kann es abends auch müde und ausgelastet zur Ruhe kommen. Aus meiner Sicht gibt es immer nur Lösungen zusammen mit dem Kind. Jedes Kind ist individuell. Mit einer guten Tagesstruktur und Plänen lässt sich da schon viel gestalten.

Ich habe zum einen das Glück, dass meine Frau Pädagogin ist und ich andererseits meiner Kreativität an Spielideen nachkommen kann: Sandmuschel auf dem Balkon aufbauen, Familienkräutergarten auf Fensterbank und Balkon anlegen, Kinetik-Sand für die Wohnung selber herstellen, Malen und Pakete für die Großeltern basteln, einen Turn- und Laufparcours mit Sofa, Wäscheständer, Kartons und Klebeband bauen, eine bunte Kiste mit alten Anziehsachen rausholen oder einen großen Wassereimer aufstellen und dann gemeinsam mit der Suppenkelle die bunten „Tiere“ daraus angeln. Ich finde es wichtig, dass alle gemeinsam Spaß an den Beschäftigungen haben.

Zusätzlich kann ich nur empfehlen, gehen Sie so oft es geht raus aus dem Homeoffice. Machen Sie Spaziergänge oder nutzen Sie das Fahrrad. Bewegen Sie sich, bewegen sich Ihr Geist und Körper, dann wird diese ganze Situation im Homeoffice erträglicher und der Stress reduziert sich.

Vielen Dank!

Carsten Magiera (C.M.) und Dr. Michael Geyer (M.G.) sind Sicherheitsbeauftragte in einem großen Unternehmen und betreuen ihre Baustellenkollegen in einer Mischung aus reduzierter Bürotätigkeit und Homeoffice.



Das könnte Sie auch interessieren:

Arbeitsschutzstandard COVID 19 17.04.2020
Einheitlicher Arbeitsschutz gegen das Coronavirus
Sicherheit und Gesundheitsschutz haben oberste Priorität, wenn es um Arbeit in Zeiten der Corona-Pandemie geht. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat in Zusammenarbeit mit der DGUV konkrete Anforderungen an den Arbeitsschutz in Zeiten der Corona-Krise formuliert. mehr …

 

Corona-Pandemie 08.04.2020
Was das Arbeiten im Home Office mit uns macht
Organisationsforscher der Universität Konstanz untersuchen, wie sich das Arbeitsverhalten von Beschäftigten ändert, die infolge der Covid-19-Epidemie von zuhause aus arbeiten. mehr …

 

Spitzfindigkeiten zu Schutz und Schuld 02.04.2020
Wie das Coronavirus uns zeigt, dass Arbeitsschutz relativ ist
In dieser Kolumne berichtet Rechtsanwalt Dr. Thomas Wilrich regelmäßig von bemerkenswerten Rechtsentwicklungen und Gerichtsentscheidungen und was wir von ihnen für den Arbeitsschutz lernen können. mehr …

 






Programmbereich: Arbeitsschutz