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Profiling im Netz nimmt immer weiter zu (© Fotolia, Sean Gladwell)
Big Data

Profiling: Chancen und Risiken

20.02.2015
Neben den vielen Vorteilen, die das Profiling bietet, gibt es auch eine Vielzahl von Risiken. Welche das sind, beschreibt der Jurist Jan-Christoph Thode in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift PinG.
Die allseits postulierten Chancen von Big Data beruhen nicht zuletzt auf der Möglichkeit, individuelle Profile von Nutzern anzulegen und mit Hilfe von statistischen Auswertungsverfahren diese auszuwerten. Die Vorteile sind nicht von der Hand zu weisen: Neben personalisierter Werbung kann Mithilfe von Profile-Verfahren z.B. auch der Kreditkartenbetrug effektiv verhindert werden.

Doch, wie hoch ist der Preis, der für das mehr an Bequemlichkeit und Sicherheit bezahlt werden muss? Erst kürzlich hat das Netzwerk Facebook seine Nutzungsbestimmung dahingehend geändert, dass Facebook seine User über mehrere Websites und Apps hinweg im Netz verfolgen kann. Datenschützer – nicht nur in Deutschland sind – sind alarmiert und drohen dem US-Unternehmen mit Bußgeldern. Sie befürchten, dass der User seine Persönlichkeitsrechte vollends verliert.

Doch welche konkreten Chancen und welche Risiken birgt Profiling? Der Rechtsanwalt Jan-Christoph Thode erläutert in dem Beitrag: "Der gläserne User – Regelungen und Regelungsbedarf für das Profiling" in der aktuellen Ausgabe (1/2015) der Zeitschrift Privacy in Germany (PinG) Chancen und Risiken.

Chancen von Profiling

Unbestritten ist, dass Profiling eine Vielzahl von Vorteilen mit sich bringt - zum einem für den Nutzer aber auch für die Unternehmen:

Maßgeschneiderte Angebote: Unternehmen können mit Hilfe von Kundenprofilen den gesamten Marketing- und Vertriebsprozess optimieren, indem sie Angebote und Werbung individuell auf den Nutzer zuschneiden.
Der Kunde erhält dadurch nur Angebote, die für ihn tatsächlich relevant sind. Werbung wird, so das Versprechen, weniger lästig.

Kosten- und Zeitersparnis: Unternehmen können durch Profiling spezielle Tarife für ihre Kunden anbieten. Einige Versicherungen haben schon Produkte im Angebot, die darauf basieren, dass Kunden ihr Fahrverhalten vom Versicherer erfassen lassen. Die Versicherung kann somit ermessen, wie hoch das abzusichernde Risiko tatsächlich ist, während der Kunde im Idealfall eine günstigere Versicherungspolice erhält.

Personalisierte Medizin: Ärzte können auf Basis von Patienten-Profilen individuelle Empfehlungen für die Behandlung erstellen. Datenbanken, die mit entsprechenden Informationen erstellt wurden, helfen Ärzten darüber hinaus, Krankheiten besser zu verstehen und Therapieverläufe zu optimieren.
Patienten erhalten dadurch schneller und oftmals auf bessere Diagnosen, was wiederum den Heilungsverlauf begünstigt.

Risiken von Profiling

Unbestritten sind aber auch die Risiken, die sich durch Profiling ergeben.

Umfassende Persönlichkeitsprofile: Je mehr Daten der Nutzer Preis gibt, desto umfassender werden die Profile, die über die eigene Person existieren. Werden dem Nutzer auf Basis statistischer Analysen dann auch noch Eigenschaften zugeschrieben, verliert dieser nach Meinung von Thode vollkommen das "informationelle Selbstbestimmungsrecht". Hinzukommt, dass die Profiling-Prozesse im Hintergrund ablaufen, so dass Nutzer in der Regel auch keine Möglichkeit haben, dies zu verhindern oder sogar zu beeinflussen.

Verschwinden des Zufalls: Eine weitere Bedrohung ist, dass dem Nutzer eine Art Scheinobjektivität suggeriert wird. Bereits heute schlägt Amazon anhand des Suchverlaufs im eigenen Shop spezielle Produkte vor. Entscheidungen, die der Nutzer früher selbstständig vorgenommen hat, übernimmt nun ein Algorithmus, der – und hier besteht das Problem – nicht neutral ist. Letztendlich wollen Amazon und Co. Produkte verkaufen. Ob das angebotene Produkt wirklich das Beste für den Kunden ist, entscheidet nicht mehr der Kunde, sondern ein Algorithmus.

Diskriminierung: Eine noch größere Bedrohung ergibt sich, wenn anhand von errechneten Profilen Menschen diskriminiert werden. Was passiert, wenn Sie im Internet nach Krebserkrankungen suchen, ganz gleich ob Sie an Krebs erkrankt sind oder nicht? Können Sie sicher sein, dass diese Information nicht dazu führt, dass ihr Tarif bei der Lebens- und Krankenversicherung sich automatisch erhöht, falls Sie überhaupt noch eine Versicherung abschließen können?

Vor allem die hier aufgeführten Risiken haben gezeigt, dass für Profiling eine Regulierung notwendig ist. Welche gesetzliche Regelungen bereits bestehen, und welcher Regelungsbedarf aus Sicht von Rechtsanwalt Thode notwendig ist, können Sie in seinem Beitrag in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift PinG nachlesen.

Weiterführende Informationen zum Thema Big Data finden Sie auch in der aktuellen Ausgabe (1/2015) der Zeitschrift der Unternehmensberatung (ZUb). Die Open Access-Zeitschrift steht Ihnen exklusiv auf der ESV-Datenbank für Berater: "ConsultingBay" zur Verfügung.

Mario Schulz, ESV-Redaktion INTERNE REVISIONdigital | 13:00 Uhr, 20.02.2015