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Das Pantheon in Rom hat eine spannende Geschichte hinter sich (Foto: Givaga – stock.adobe.com)
Auszug aus dem Handbuch Italienisch

„Was, frage ich euch, haben die Römer je für uns getan?“

ESV-Redaktion/MK
27.10.2021
Das „Handbuch Italienisch“ bietet weitaus mehr als Antworten auf die Frage:
„Was haben die Römer je für uns getan?“, die einigen aus dem Film-Klassiker „Das Leben des Brian“ bekannt vorkommen könnte. Wer also zunächst an das Aquädukt gedacht hat oder an Wein, öffentliche Ordnung, Straßen oder Architektur, der wird in dem folgenden Auszug aus dem „Handbuch Italienisch“ einen schönen Einblick in einen von 96 Einzelartikeln über Sprache, Literatur und Kultur Italiens finden.
Lesen Sie einen Auszug aus dem „Handbuch Italienisch“ aus dem Bereich der Kulturwissenschaft zu Architektur und Städtebau in Italien.

Architektur und Städtebau in Geschichte und Gegenwart

Harald Bodenschatz


Architektur und Städtebau in Italien – das ist ein außerordentlich gut bestelltes und zugleich territorial unscharfes Feld. In keinem Land finden sich so viele bauliche Objekte, die den Status eines Weltkulturerbes der UNESCO erhalten haben, wie in Italien. Auf der anderen Seite war Italien über Jahrhunderte kein klar abgegrenztes Gebiet, sondern ein ständig sich verändernder Flickenteppich. Diese Vielfalt muss sich auch an der Auswahl der Orte dieses Artikels zeigen. Zudem stellt sich – mit Blick auf die traditionelle Periodisierung – die Frage: Was ist der angemessene zeitliche Einstieg? Die Renaissance, das Mittelalter oder die Antike, und wenn letztere, welche Phase? Ohne die römische Antike ist die italienische Architektur schwer zu verstehen. Der Blick nicht nur auf die Architektur, sondern auch auf den Städtebau eröffnet weitere Spielräume. Jedes Bauwerk wird in seinen städtebaulichen Zusammenhang eingeordnet. Damit sind die Kriterien der Auswahl klar: Gefragt sind im vorliegenden Kontext herausragende Beispiele, die beides – Architektur und Städtebau – einer Epoche exemplarisch widerspiegeln und die möglichst noch heute räumlich erlebbar sind. Eine solche Auswahl erfordert freilich Entscheidungen, die – auch wenn sie begründet sind – immer auch anders hätten ausfallen können.

Pantheon – ein Kuppelbau auf dem
Marsfeld des antiken Roms

Ausgangspunkt ist das Römische Reich. Doch dieses war nicht auf Italien beschränkt, sondern exportierte Architektur und Städtebau ins übrige Europa, nach Asien und Afrika. Mit der Entscheidung für diesen Einstieg wird freilich das bauliche Erbe älterer Kulturen auf dem Boden Italiens ausgeblendet: etwa das phönizische Erbe auf Sardinien, das etruskische Erbe im nördlichen und das griechische Erbe im südlichen Italien. Zudem umfasst das römische Erbe selbst mehrere Jahrhunderte und damit unterschiedliche Regierungsformen und Expansionsstadien. Als Beispiel für diese Epoche dient ein Bau der Kaiserzeit, das sog. Pantheon (cf. Marder/Wilson Jones 2015), der Sitz aller Götter, der damals ein weites Gebiet außerhalb der eigentlichen Stadt städtebaulich mitprägte: das Marsfeld.

Der römische Städtebau hatte klare Regeln. Im ganzen Römischen Reich fanden sich Planstädte quadratischer Form mit zwei Hauptachsen, cardo maximus und decumanus maximus, an deren Kreuzung das Forum lag. Dort erhoben sich Tempel, politische Gebäude und eine Markthalle. Die übrige Stadt wurde durch rasterförmig geordnete Straßen in Blöcke (insulae) gegliedert. Geschützt wurde die Planstadt durch eine Mauer, die durch Tore passierbar war. Doch der Nabel des Reiches, Rom selbst, war völlig anders. Statt einer strengen städtebaulichen Ordnung herrschte dort Unordnung, ein über Jahrhunderte agglomeriertes unregelmäßiges System von Straßen und öffentlichen Gebäuden. Auch die Stadtmauer hatte keine regelmäßige Form. Vor der Servianischen Stadtmauer im Westen erstreckte sich das Marsfeld, ein dem Kriegsgott Mars gewidmetes großes Gebiet im öffentlichen Eigentum.

Nachgefragt bei: Professorin Dr. Antje Lobin und PD Dr. Eva-Tabea Meineke 20.10.2021
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Auch das Marsfeld entwickelte sich ungeordnet. Eines der bedeutendsten Gebäude, die dort im Laufe der Jahrhunderte entstanden, war das Pantheon. Die römische Architektur (cf. Hesberg/Zanker 2009) knüpfte an die Bauweisen des Mittelmeerraums an. Was sie aber über diese hinaus auszeichnete, war die außerordentliche technische Qualität, die sich v. a. in Infrastrukturen wie etwa in Fernwasserleitungen und im Straßenbau niederschlug. Dazu kamen die baukonstruktiven Leistungen. Das Pantheon bestand aus zwei Bauteilen, einem eher konventionellen Pronaos und einem bis dahin unbekannten riesigen Rundbau mit einer Kuppel, die einen Durchmesser von gut 43 Metern aufwies. Seine Höhe betrug ebenfalls gut 43 Meter, und die Einwölbung begann auf halber Höhe – eine perfekte Planung. Zudem hatte der Bau einen kleinen, rechtwinklig eingefassten Vorplatz. Als Baumaterial diente opus caementicium (römischer Beton). Das Gewicht der in ihrer Mitte offenen Kuppel (mit einem oculus von neun Metern Durchmesser) wurde durch Zuschlag von Tuff und Bimsstein reduziert.

Das Pantheon, seit 1980 Teil des Weltkulturerbes, wurde in der Zeit des Kaisers Hadrian um 125 n. Chr. fertig gestellt. Wer der Architekt war, ist ungeklärt, vielleicht Apollodor aus Damaskus. Auch der Zweck des Baus ist nicht gesichert. Auf alle Fälle gab es einen Vorgängerbau – einen von Konsul Agrippa zu Ehren des Augustus um 25 v. Chr. errichteten Tempel. Schon um 613 n. Chr. wurde das Pantheon zur Kirche umgestaltet und erfuhr das Schicksal vieler Großbauten der Antike: Wertvolle Bauelemente wurden für andere Zwecke genutzt, und neue Anbauten veränderten – hier vorübergehend – sein Aussehen. Als Bauform hatte das Pantheon zwar keine Vorbilder, es wurde aber selbst zum Modell für zahlreiche Neuschöpfungen – etwa den Petersdom in Rom, den Invalidendom in Paris, das Alte Museum in Berlin, das Kapitol in Washington und die von Albert Speer geplante Große Halle in Berlin. Heute steht das Pantheon, eine der einflussreichsten Bauten aller Zeiten, mitten im historischen Zentrum von Rom und besitzt wieder einen kleinen Vorplatz, den ein ägyptischer Obelisk bereichert.

Haben wir Ihr Interesse geweckt?

Wenn Sie nun in Erinnerungen an Ihre letzte Italienreise schwelgen, über den Hintergrund des Pantheons sowieso schon gut informiert waren und sich fragen, welche Bauwerke Harald Bodenschatz noch beschreibt oder wenn Sie auch etwas über andere Themenkomplexe rund um Italiens Sprache, Literatur und Kultur erfahren wollen, dann bietet Ihnen das „Handbuch Italienisch“ eine große Bandbreite an Informationen. In dem Themenkomplex zu Kultur, Medien und Öffentlichkeit finden sich, neben diesem Auszug über das Pantheon in Rom, auch Artikel zum Bildungswesen Italiens, zu Musik, Theater, Mode und Design und sogar zur Mafia.
Neugierig geworden? Das „Handbuch Italienisch“ ist als unterstützendes Arbeitsinstrument und Ressource für all diejenigen gedacht, die sich im Bildungssektor, aber auch in anderen institutionellen Kontexten mit italienbezogenen Fragestellungen befassen.

Die Herausgeberinnen
Professorin Dr. Antje Lobin hat an den Universitäten Gießen, Dijon und Rom studiert (Französisch, Italienisch, Betriebswirtschaftslehre) und wurde an der JLU in Gießen mit einer Arbeit zur Sprachwissenschaft des Italienischen promoviert. Dort habilitierte sie sich im Jahr 2015 im Fach Romanische Sprachwissenschaft. Seit 2015 ist sie Professorin für Italienische und Französische Sprachwissenschaft am Romanischen Seminar der JGU Mainz.
PD Dr. Eva-Tabea Meineke hat an der Universität IULM in Mailand „Lingue e letterature straniere“ studiert und wurde innerhalb eines Co-tutelle-Programms mit Paris 8 an ebendieser Universität im Fach „Letterature comparate“ promoviert. Zudem studierte sie am UCL London. Seit 2011 lehrt und forscht sie am Romanischen Seminar der Universität Mannheim. Dort habilitierte sie sich 2017 in Romanistischer und Vergleichender Literaturwissenschaft.


Handbuch Italienisch
Sprache – Literatur – Kultur
Für Studium, Lehre, Praxis

Herausgegeben von: Antje Lobin, Eva-Tabea Meineke

Das „Handbuch Italienisch. Sprache – Literatur – Kultur“ präsentiert grundlegende Themen aus den drei Gegenstandsbereichen der Italianistik von den
Anfängen bis hin zu den aktuellen Tendenzen der Gegenwart. Die sprach-, literatur- und kulturwissenschaftlichen Darstellungen der 96 Einzelartikel bieten einen idealen Ausgangspunkt für jede Form der Auseinandersetzung mit italianistischen oder die italienische Lebenswelt betreffenden Fragen und laden darüber hinaus zu einem interdisziplinär vernetzten Umgang mit diesen Fragen ein. Das Handbuch lebt neben den Einzeldarstellungen von der wissenschaftlichen Dialogizität zwischen aktuell forschenden und lehrenden Italianist/innen und Vertreter/innen weiterer geistes- und sozialwissenschaftlicher Fächer im In- und Ausland. In dieser Form wird der zum gegenwärtigen Zeitpunkt aktuellste Stand der wissenschaftlichen Diskussion abgebildet und auf allgemeinverständliche Weise zugänglich gemacht.
Das „Handbuch Italienisch“ ist als unterstützendes Arbeitsinstrument und Ressource für all diejenigen gedacht, die sich im Bildungssektor, aber auch in anderen institutionellen Kontexten mit italienbezogenen Fragestellungen befassen.

Programmbereich: Romanistik